
Bei Kulturpflanzen hat das Klonen eine lange Tradition
Pflanzen sind keine Individuen, im Gegenteil: Sie sind teilbar, wie jeder schon erfahren hat, der sich Ableger von einer Pflanze gemacht hat. Dabei entstehen genetisch identische Kopien der Mutterpflanze – Klone.
Zum Beispiel das Usambara-Veilchen: Man braucht nur ein Blatt abzureißen und mit dem Stängel in den Boden zu stecken. Mit ein bisschen Glück wächst wieder ein neues Veilchen heran. Pflanzen müssen nicht auf Sex zurückgreifen, um sich zu vermehren. Auch ohne Zutun eines Gärtners bilden Pflanzen häufig genetisch identische Kopien von sich selbst, sie sind wahre Klonkünstler. Vegetative Vermehrung heißt dieses Verhalten der Pflanzen.
Doch diese Form der Fortpflanzung geschieht nicht immer nur zur Freude des Gärtners. Mitunter reichen kleine Stücke von der Wurzel aus – so genannte Rhizome, wie sie der Botaniker nennt –, um Gärtner zur Verzweiflung zu treiben. Die Quecke etwa gehört zu den Gräsern und ist, einmal etabliert, aus dem Garten nicht mehr zu entfernen.
Viele Kulturpflanzen können gar nicht mehr anders
Bei Kulturpflanzen hat das Klonen eine lange Tradition. Manche Pflanzenarten, die der Mensch in Kultur genommen hat, können sich gar nicht mehr anders als vegetativ vermehren. Wilde Bananen zum Beispiel enthalten noch große Samen, aus denen man neue Bananenpflanzen ziehen könnte. Bei den Kultur-bananen dagegen, so wie wir sie im Supermarkt kaufen, da sind die ehemaligen Samen zu den kleinen schwarzen Pünktchen im Bananenfleisch geschrumpft. Man wird vergeblich versuchen, aus diesen schwarzen Pünktchen eine neue Bananenpflanze zu ziehen.
Ähnlich hält es sich mit den Mandarinen. Um solche Pflanzen zu vermehren, greifen Landwirte gerne zum Pfropfen. Sie schneiden etwa von dem Baum mit den kernlosen Mandarinen einen Zweig ab und verbinden ihn mit dem Stamm eines anderen Baumes, auf dem er anwächst und sich zur Baumkrone ausbildet. So lassen sich auch neue Obstsorten vermehren. Die Apfelsorte "Braeburn" zum Beispiel wurde zufällig 1952 in Neuseeland entdeckt, wahrscheinlich eine Mutation aus einer anderen Sorte namens "Lady Hamilton". So eine Mutation kann dann durch Pfropfen bewahrt und so erfolgreich weiterverbreitet werden, dass heute Braeburn-Äpfel in jedem Supermarkt zu haben sind.
Große Fortschritte im Labor
Das Klonen von Pflanzen hat also in der Landwirtschaft eine lange Tradition. Im Labor ist diese Technik inzwischen aber noch erheblich weiter getrieben worden. Orchideen zum Beispiel galten früher als ausgesprochen kostbare Pflanzen. Heute kann man sie preiswert im Blumenladen kaufen. Das hängt mit zwei Fortschritten zusammen. Zunächst hat man gelernt, dass die Orchideensamen einen Pilz benötigen, um auszukeimen. Und dann ist es im Labor gelungen, aus einigen wenigen Zellen wieder komplette Pflanzen zu regenerieren.
Wenn aber die Vermehrung durch Klonen so erfolgreich ist, warum gibt es dann überhaupt noch Sexualität bei Pflanzen? Wozu bilden sie noch Blüten, wozu bilden sie Samen und Früchte? Ein Vorteil ist, dass nur mit Hilfe von Sexualität Pflanzen größere Entfernungen überwinden können, beispielsweise durch Zugvögel. Und noch einen weiteren Vorteil hat die sexuelle Vermehrung: Sexualität durchmischt das Erbgut, führt zu immer neuen Eigenschaften. Davon profitiert zum Beispiel die Pflanze, wenn sie sich mit Krankheitserregern auseinandersetzen muss.
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